Er hat sich stets bemüht…

„Er hat sich stets bemüht, unseren Anforderungen gerecht zu werden.“ – Klingt doch eigentlich gar nicht sooo schlecht, oder?

Ist aber als Formulierung in einem Arbeitszeugnis eine Katastrophe und bedeutet auf deutsch: Der Mann/ die Frau ist eine Flasche!

Mit einem solchen Zeugnis, dass in Schulnoten ausgedrückt irgendwo zwischen 5 und 6 anzusiedeln ist, braucht man sich nirgendwo mehr bewerben.

Was muss rein ins Arbeitszeugnis?

Nach § 630 BGB hat jeder Arbeitnehmer bei der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein Arbeitszeugnis, wobei zwischen dem einfachen und dem qualifizierten Zeugnis unterschieden werden muss. Das einfache Zeugnis umfasst nur Angaben zur Art und Dauer der Beschäftigung. Auf Wunsch des Arbeitnehmers muss der Arbeitgeber das Zeugnis aber auf „Leistungen und Führung im Dienst“ erstrecken (qualifiziert). In der Gewerbeordnung ist geregelt, dass das Zeugnis „klar und verständlich“ formuliert sein muss und keine sogenannten „Geheimcodes“ enthalten darf.

Da die Arbeitsgerichte den Grundsatz aufgestellt haben, dass das Arbeitszeugnis wohlwollend formuliert sein müsse und dem beruflichen Fortkommen des Arbeitnehmers nicht hinderlich sein dürfe, sind Arbeitgeber auf die Idee gekommen, Formulierungen zu verwenden, die erst einmal nicht negativ klingen, aber bei denen jeder Insider weiß, dass bei dem Kollegen erhöhte Gefährdung besteht.

… und was nicht??

Sätze wie „Mit seiner lebensfrohen Einstellung war er stets ein Gewinn für unsere Betriebsfeiern“ oder „besonders bei der Betreuung unser weiblichen Gäste war er stets sehr zuverlässig“ gehören nicht in ein Arbeitszeugnis. Auch harmlosere Formulierungen, wie „er hat sich stets für die Belange seiner Mitarbeiter eingesetzt“ können geeignet sein, z.B. einen Betriebsrat als Querulanten zu denunzieren.

Die Sache mit der Generalklausel

Oft sind Arbeitszeugnisse sauber formuliert und eigentlich voll des Lobes und am Ende steht dann ein mickriges „die übertragenen Aufgaben erfüllte er zu unser Zufriedenheit“.

 

Jedes Zeugnis endet mit einer solchen „Generalklausel“, die eine in Worte gefasste Schulnote darstellt. Ideal, also Schulnote Eins, ist die Formulierung „Die ihm übertragenen Aufgaben erfüllte er/sie stets zu unser vollsten Zufriedenheit

 

Demgegenüber wäre die obige Formulierung eher eine schlechte Drei oder gar eine Vier. Das Problem: Gerichte gehen davon aus, dass eine Drei normal ist, d.h. eine schlechtere Bewertung müsste der Arbeitgeber vor Gericht belegen; dafür muss der Arbeitnehmer beweisen, dass er eine bessere Note verdient hat. Dies ist in der Praxis nur sehr schwer möglich.

Ein paar Formalien…

Einfacher ist es da schon, das Zeugnis korrigieren zu lassen, wenn z.B Aufgabengebiete fehlen oder eindeutig falsche Tatsachenbehauptungen aufgestellt sind.

 

Ferner kann man verlangen, dass das Arbeitszeugnis auf Geschäftspapier gefertigt und von Rechtschreibfehlern frei ist, denn auch ein schludriges Arbeitszeugnis sagt etwas über das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus.

 

Dagegen hat der Arbeitnehmer keinen Anspruch darauf, dass ihm am Ende des Zeugnisses alles Gute für den weiteren Lebensweg gewünscht wird.

 

Kleiner Tipp: Oft schreiben Arbeitgeber nicht absichtlich schlechte Zeugnisse sondern, weil sie es nicht besser können. Nicht jeder Arbeitgeber hat Routine in solchen Beurteilungen und schreibt katastrophale Zeugnisse, obwohl er dem Arbeitnehmer vielleicht sogar einen Gefallen tun wollte.

Man sollte deshalb schon einen Zeugnis- Text vorformuliert haben, den der Arbeitgeber einfach nur auf sein Geschäftspapier zu übertragen braucht. Dabei solltet Ihr möglichst detailliert beschreiben, was Ihr alles gemacht habt, welche Verantwortung ihr getragen habt etc.

 

Viele Arbeitgeber sind durchaus dankbar, wenn man ihnen solche „lästigen“ Arbeiten abnimmt. Einen Anspruch darauf, sein Arbeitszeugnis selbst zu verfassen, hat der Arbeitnehmer aber natürlich nicht.