Ist wahrscheinlich jedem schon mal passiert: Morgens nicht richtig aus dem Bett gekommen oder der Wecker kaputt oder der Bus zu spät oder … Das ist wahrscheinlich der Klassiker unter den Abmahnungsgründen, aber es ist nicht der einzige denkbare Grund, warum Arbeitnehmer eine Abmahnung bekommen können.

Abmahnung- was soll das ??

Mit einer Abmahnung zeigt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer, dass er mit seinem Arbeitsverhalten nicht einverstanden ist. Wie der Arbeitnehmer sich zu verhalten hat, ist i.d.R. im Arbeitsvertrag festgeschrieben. Verhält der Arbeitnehmer sich nicht so, wie es im Arbeitsvertrag verabredet ist, begeht er eine arbeitsvertragliche Pflichtverletzung.

Was ist eine Abmahnung??

Eine Abmahnung muss zwei Teile enthalten:

 

-          es muss ein Pflichtverstoß des Arbeitnehmers angeprangert werden

-          für den Wiederholungsfall muss eine (arbeitsrechtliche) Konsequenz angedroht werden

 

Fehlt einer dieser Teile, handelt es sich, rein rechtlich gesehen, nicht um eine Abmahnung, denn die Abmahnung dient ja als Vorbereitung einer Kündigung. Bei nicht so gravierenden Verstößen gegen die arbeitsrechtlichen Verpflichtungen verlangt das Gesetz, dass vor einer Kündigung der Arbeitnehmer einmal gewarnt wird.

 

Erst wenn der Arbeitnehmer denselben Verstoß ein weiteres Mal begeht, kann der Arbeitgeber dann eine Kündigung aussprechen. Das bedeutet aber auch, dass es sich um denselben Verstoß handeln muss. Ein Arbeitnehmer kann also theoretisch durchaus mehrere Abmahnungen „ansammeln“, solange es sich immer wieder um neue Verstöße handelt und diese nicht so schwerwiegend sind, dass sie eine fristlose Kündigung rechtfertigen.

Abmahnung bekommen- was nun?

Zunächst einmal: Eine Abmahnung bedarf grundsätzlich der Schriftform. Wenn der

Arbeitgeber sagt, dass er einen hiermit abmahnt, so handelt es sich dabei arbeitsrechtlich nicht um eine Abmahnung sondern um eine Ermahnung.

 

Wenn Ihnen die Abmahnung übergeben wird, unterschreiben Sie nichts und äußern Sie sich auch nicht zu den Vorwürfen!

 

Es ist ein ganz natürlicher Reflex, dass man sich verteidigen will, wenn einem Vorwürfe gemacht werden, aber jedes Wort ist in diesem Fall ein Wort zu viel, denn oft kann der Arbeitgeber gar nicht beweisen, was er dem Arbeitnehmer vorwirft und erst dadurch, dass dieser auf die Vorwürfe eingeht, wird die Abmahnung dann „wasserdicht“.

 

Zu solchen erörternden Gesprächen sollte auch grundsätzlich ein Betriebsratsmitglied oder ein Kollege des Vertrauens hinzugezogen werden.

 

Was kann abgemahnt werden??

Abgemahnt werden können natürlich nur Pflichtverstöße, die auch vom Arbeitnehmer beeinflusst werden können. Kurz gesagt: Niemand kann abgemahnt werden, weil das Wetter schlecht ist, denn das kann der Arbeitnehmer nicht beeinflussen. Natürlich kann ein Koch auch nicht abgemahnt werden, weil er sich weigert, verdorbene Ware zu verbrauchen.

 

Das Beste ist natürlich, dem Arbeitgeber keinen Grund für eine Abmahnung zu liefern. Wenn es dann aber doch passiert, hat der Arbeitnehmer das Recht, eine sogenannte Gegendarstellung zu der Abmahnung zu verfassen, die dann mit zu der Personalakte genommen werden muss. Hier schildert der Arbeitnehmer den Vorfall aus seiner Sicht und ggf. warum er für den Vorfall nicht verantwortlich war.

Wenn dann der Arbeitgeber aufgrund eines weiteren derartigen Verstoßes unter Hinweis auf die erfolgte Abmahnung eine Kündigung ausspricht, wird die Abmahnung samt Gegendarstellung zum Gegenstand des Kündigungsschutzprozesses und der Arbeitgeber muss beweisen, dass er seinerzeit zu Recht abgemahnt hat, was oft schwierig für ihn sein dürfte (besonders wenn schon einige Zeit vergangen ist).