Die Grundidee von Mc Donald’s

Man kann zu Fast- Food ja stehen wie man will, aber man muss in jedem Fall anerkennen, dass es offenbar auf der ganzen Welt einen Markt für diese Form der Ernährung gibt. Der Erfolg von Mc Donald’s basiert u. E. auf den folgenden Prinzipien:

· Schnelligkeit
· Standardisierung
· Freundlichkeit (mag unterschiedlich sein…)

Der Gast, der zu Mc Donald’s kommt, weiß, dass er in wenigen Minuten schon wieder raus sein kann. Es bedarf keiner aufwändigen Terminplanung, Tischreservierung, besonderer Kleidung oder Kenntnisse, um einen Bigmac essen zu gehen. In einer Zeit, in der Zeit eben auch Geld ist, ist dies ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Auf die Spitze getrieben wurde dieses Prinzip mit der Einführung des Drive- In, der einen Restaurantbesuch ermöglicht, ohne den Motor abzustellen.

Das zweite und wichtigste Prinzip ist das der Standardisierung. Gehe ich in eine x- beliebige Frittenbude sind die Pommes vielleicht fettiger als beim letzten Mal oder sie wurden zu lange (oder zu kurz) frittiert, das Fleisch in der Dönerbude um die Ecke ist viel schlechter gewürzt als in dem Berliner Imbiss in dem ich letzte Woche war, der eine Imbiss verwendet als Currywurst vielleicht eine Bratwurst statt der Schinkenwurst, die ich so gerne esse… Kurzum: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und macht ungern Experimente- erst recht nicht beim Essen !

Der Name Mc Donald’s garantiert, dass ich in New York den gleichen Hamburger bekomme wie in München, in Australien den gleichen Bigmac wie in Neu Delhi etc. Das bedeutet, egal an welchen unbekannten Ort auf der Welt es mich auch immer verschlagen mag: ein Stück Heimat ist schon da!

Zu dem Wohlfühlen gehört auch das, was bei Mc Donald’s allgemein als Value bezeichnet wird. Mitarbeiter werden angewiesen, den Gast mit einem Lächeln und einer Begrüßung zu empfangen. Natürlich hat gemäß der Standards auch eine sog. „Produktberatung“ stattzufinden, wofür „Zusatzverkauf“ oder „Aufschwatzen“ allerdings die besseren Bezeichnungen sind. In einem Restaurant, in dem die Mc- Standards eingehalten werden, soll sich der Gast rundum betreut fühlen. In einer globalisierten Welt mit lauter mobilen und entwurzelten Menschen kann Mc Donald’s so zum Familienersatz werden.

Schließlich sei auch noch auf das uralte, aber auch schlicht falsche Vorurteil eingegangen, Mc Donald’s- Essen sei grundsätzlich ungesund: Es ist inzwischen auch unter kritischen Ernährungswissenschaftlern unstrittig, dass die Burger an sich eine durchaus ausgewogene Mahlzeit darstellen, wenn sie natürlich auch nicht zur ausschließlichen Ernährung geeignet sind. Auch wenn die Qualitätsstandards sicherlich nicht immer eingehalten werden, sind die Pommes frites schon aufgrund der Verkaufszahlen vermutlich immer noch frischer als in einem kleinen Imbiss, in dem die Ware möglicherweise den ganzen Tag auf einen Abnehmer wartet…

Auch mangelndes soziales Engagement kann man dem Fast- Food- Riesen nicht ohne weiteres vorwerfen. So sind Franchisenehmer verpflichtet, einen bestimmten Anteil ihres Umsatzes für soziale Zwecke zu verwenden und auch die sozialen Projekte der Konzernzentrale, wie die Mc Donald’s- Kinderhilfe sind durchaus vorbildlich.

Bei aller Umweltbelastung, die von Mc Donald’s weltweit ausgeht, darf man zudem nicht vergessen, dass es auch kaum eine Restaurantkette gibt, die so konsequent Abfall trennt und durch die Einführung neuer Verpackungsformen auch zur Müllvermeidung beiträgt (bei alledem- das wollen wir gar nicht schönreden- bleibt natürlich trotzdem eine immense Umweltbelastung!).

Was wir meinen, ist, dass die Kritik an Mc Donald’s differenzierter ansetzen muss und hier sind wir bei den Arbeitsbedingungen von Mc Donald’s.

Wo ist dann das Problem?

Neben einer eher theoretischen Kritik am Ausdruck amerikanischen Kulturimperialismus’ an der Mc Donald’s- Theke bleibt also vor allem der Umgang des Konzerns mit Arbeitnehmerrechten. Auffällig häufig hat es in den letzten Jahrzehnten Probleme gegeben, wenn Arbeitnehmer sich in der Gewerkschaft organisieren oder gar versuchen, einen Betriebsrat zu gründen.

Der Fairness halber muss aber auch erwähnt werden, dass sich das Verhältnis zwischen Mc Donald’s auf der einen und der Gewerkschaft auf der anderen Seite nach den wilden 90′ern deutlich entspannt hat und es seit 2006 auch wieder Tarifverträge für die Systemgastronomie gibt, die vom Arbeitgeber im Großen und Ganzen eingehalten werden.

Allerdings hat der Prozess der “Verfranchisung” der Restaurants dazu geführt, dass die Arbeitsbedingungen – abhängig vom jeweiligen Franchisenehmer – viel unterschiedlicher geworden sind. Dies zeigt sich aber heute nicht mehr überwiegend in der Frage der Einhaltung von Tarifverträgen sondern subtiler durch Arbeitsverdichtung, Dienstplangestaltung, Urlaubsgewährung etc.

Warum gibt es bei Mc Donald’s so wenig Betriebsräte?

Mc Donald’s lebt davon, flexibel auf steigende oder sinkende Nachfragen reagieren zu können. Ideal waren also vor der Neuregelung der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse Studenten, denen man nur 4 Wochenstunden vertraglich garantierte, die man aber im Bedarfsfall bis zu 80 Stunden und länger monatlich einsetzen konnte. Vollzeitkräfte dagegen haben einen Anspruch auf 169 Stunden monatlich und können bei kurzfristigen Ausfällen keine Schichten mehr übernehmen.

Zu der Flexibilität, auf die Mc Donald’s so sehr angewiesen ist, gehört es auch, Mitarbeiter schnell und unkompliziert einstellen und kündigen zu können („hire and fire“), Urlaub dann zu gewähren, wenn es günstig für den Betrieb ist und die Dienstpläne ohne Einmischung bestimmen zu können.

Gerade in diesen Bereichen räumt das Betriebsverfassungsgesetz dem Betriebsrat aber besonders starke Mitbestimmungsrechte ein. Die vom Gesetzgeber gewollte Mitbestimmung des Betriebsrates in unterschiedlicher Ausprägung (schwaches Mitwirkungsrecht in personellen oder gar wirtschaftlichen Angelegenheiten, stärkere Mitbestimmung in sozialen Fragen und bei der Ausbildung) greift empfindlich in die flexible Betriebsführung  ein. Das trifft zwar erst einmal für alle Betriebe in der Bundesrepublik Deutschland zu, aber in Dienstleistungsbranchen, wo die Nachfrage nach Arbeitskraft vom Interesse des Kunden abhängt, ist dies besonders augenscheinlich.  Ein Betriebsrat steht deshalb immer zwischen den Aufgaben, die das BetrVG ihm vorschreibt, nämlich zum Wohle der Arbeitnehmer und des Betriebes zu wirken.

Praktische Ansätze für Betriebsratsarbeit bei Mc Donald’s

Die Mitbestimmungsrechte, die jeder Arbeitgeber seinem neu gewählten Betriebsrat sofort einräumt, sind die in den §§ 99 und 102 BetrVG geregelten in personellen Angelegenheiten. Diese bleiben nämlich i.d.R. folgenlos und führen nur zu einer Verzögerung der Maßnahme. Zudem würde eine Nichtbeachtung der Mitbestimmungsrechte die Unwirksamkeit der personellen Maßnahme verursachen.

Der Betriebsrat ist vor jeder geplanten Kündigung, Versetzung, Umgruppierung oder Neueinstellung zu hören. Während ein Widerspruch des BR gegen eine Kündigung ignoriert werden kann (und oft auch wird), hat der Betriebsrat ein an enge Kriterien gebundenes Vetorecht bei den anderen o.a. Maßnahmen.

Eine Möglichkeit, auf die Personalplanung der Geschäftsleitung Einfluss zu nehmen, bietet das Recht nach § 93 BetrVG, eine innerbetriebliche Ausschreibung von neu zu besetzenden Positionen zu verlangen. Im Verhältnis hierzu steht das echte Mbr nach § 95 BetrVG bei der Aufstellung von Auswahlrichtlinien für die Besetzung betrieblicher Positionen wie Crewtrainer, Vorarbeiter oder Restaurantassistenten („Schichtführer“).

Interessant ist auch das Mitbestimmungsrecht bei Maßnahmen der betrieblichen Ausbildung (§ 98 BetrVG), das sehr umfassend ist und bei Nichteinigung ein Einigungsstellenverfahren vorsieht. Da Einigungsstellen Geldfresser sind,  ist der Einigungswille beim Arbeitgeber bei diesen Mitbbestimmungsrechten naturgemäß sehr hoch.

In quasi jedem Betrieb gibt es Probleme bei der Dienstplangestaltung und der Gewährung von Urlaub. Hier greift das starke Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates nach § 87 BetrVG. Der § 87 BetrVG ist die „schärfste Waffe“ des BR. In ihm sind die Mitbestimmungsrechte in sozialen Fragen geregelt (betriebliche Ordnung, Überstunden, Kontrolle des Arbeitnehmerverhaltens), die ebenfalls eine Einigungsstelle im Falle der Nichteinigung vorsehen.

Für besonders grobe Behinderung der Arbeit des BR hat das BetrVG sogar eine strafbewährte Vorschrift (§119). Hier wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr bedroht, wer die Arbeit des BR, des Wahlvorstandes oder der JAV behindert. Dies kann z.B. durch die Androhung von Nachteilen oder das Gewähren von Vorteilen geschehen.

Ignoriert der Arbeitgeber mehrfach das Mitwirkungsrecht z. B. nach § 90 BetrVG, so kann der BR beim Ordnungsamt eine Ordnungswidrigkeitenanzeige aufgeben (§121 BetrVG). Das Ordnungsamt kann dann ein Bußgeld gegen den Arbeitgeber verhängen.

Ein Wort zur Ausstattung des BR mit Sachmitteln: Grundsätzlich hat der BR nach § 40 BetrVG Anspruch auf alle erforderlichen Sachmittel, wie Büroräume und -material, Computer, Telefon, Literatur (Fitting, Kittner, Basiskommentar von Gnade, spezielle Kommentare wie Arbeitsschutzgesetz, Arbeitszeitgesetz, sowie die Zeitschrift Arbeitsrecht im Betrieb), Fahrtkostenerstattung für BR- Arbeit außerhalb der Arbeitszeit (Arbeitsgericht Göttingen), aber auch auf einen Rechtsanwalt in Streitfragen etc.

Abschließend soll noch einmal dringend darauf hingewiesen werden, dass der Betriebsrat in der Durchführung seiner Arbeit nicht dem Weisungsrecht des Arbeitgebers unterliegt, d.h. der Arbeitgeber hat dem Betriebsrat nicht zu sagen, wann und in welchem Umfang das Betriebsrats- Mitglied seine Tätigkeit entfaltet.

Auch die Schulung der Betriebsrats- Mitglieder ist allein Sache des BR. Er entscheidet allein, welches Mitglied an welcher Schulung teilnimmt. Er hat dem Arbeitgeber lediglich die Erforderlichkeit zu begründen, die allerdings weit auszulegen ist.